Wie sieht’s eigentlich in Siaya aus?

Hallo miteinander!

Hier schreibt Meike.

Ich bin jetzt nun schon mehr als drei Monate in Siaya und möchte nun endlich vom Fortgang des Projekts berichten. Manch einer von euch wird auch schon meinen persönlichen Blog gelesen haben, in dem ich vor allem von meinen alltäglichen Erfahrungen in Kenia erzähle (kenialeben.wordpress.com), hier wird es aber nur um das Projekt gehen. Ich fühle mich inzwischen schon so mit den Kenianern verbunden, dass ich immer, wenn ich von „wir“ oder „uns“ spreche, den Verein MOCC meine.

Was den Bau des Waisenhauses betrifft, befinden wir uns in den letzten Zügen. In den letzten Wochen wurden geputzt (Lehmputz), der Fußboden und die Sockelleiste hergestellt (Beton/Estrich) und gemalert (außen lehmfarben ;), innen cremefarben, Türrahmen haselnuss). Ich fand es persönlich ja spannend, dass die fertige Fußbodenoberfläche hier üblicherweise aus einer dünnen feinen Zementschlempe besteht – Fliesen sind zu teuer und Holz auch, zumal es von diesen kleinen gemeinen Tierchen (Termiten) weggefressen werden könnte. Auf jeden Fall wird das Gebäude immer schöner, was sich auch am Stolz aller Beteiligten und am Lob der Bevölkerung zeigt.

                  

Wie sich herausstellt, ist die Organisation des Baus des Waisenhauses aber nur ein kleiner Teil der vielfältigen Arbeit, die MOCC hier leistet. Zum Beispiel haben wir seit Mai die Herausforderung, den Betrieb der Schule zu managen. Einen Großteil des Erfolgs der Schule haben wir unserer Schulleiterin Helida zu verdanken. Nicht nur unterrichtet sie, kocht Brei und putzt die Klassenräume, sie denkt auch visionär und bringt viele neue Ideen ein. Und mit den beiden Lehrerinnen, die uns von der Regierung gestellt und bezahlt werden, haben wir auch Riesenglück. Immerhin sind es diese Leute, die am Ende die Kinder erreichen, für deren Wohlergehen wir alle hier in Kenia und in Deutschland unsere Zeit und Energie investieren.

Hier erklärt die Lehrerin den Kids, wie man unsere schicken Trenntoiletten benutzt ;).

Unsere erste „income generating activity“ (Einkommen generierende Aktivität) ist die Herstellung und der Verkauf von Betonpfählen, die uns dazu verholfen hat, die Schule überhaupt zu starten. Derzeit investieren wir einen Großteil dieser Erträge in die Produktion neuer Pfähle und die Optimierung der Prozesse. Mit dem Rest der Erträge können wir die laufenden Kosten der Schule decken, sprich Essen und Lehrmaterialien kaufen, sowie Transport und Medizin für kranke Kinder übernehmen. Größere Anschaffungen können wir davon jedoch nicht stemmen.

Es gibt noch viel mehr zu berichten, aber das soll es fürs erste gewesen sein.

Bis zum nächsten Mal!

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Schulbetrieb aufgenommen

Schulbetrieb in Siaya wurde aufgenommen!

Gute Nachricht: Heute teilte uns Celestine mit, dass der Schulbetrieb mit den ersten Kindern aufgenommen wurde und schickte uns untenstehendes Foto vom Schulstart.

Unser 1. Vorsitzender reist nach Siaya

 Heiko Wäsche reist am Dienstag, den 30.05.2017 für 2 Wochen nach Siaya, um den Fortgang der Arbeiten vor Ort zu begutachten und die nächsten Arbeitsschritte einzuleiten. Ein ausführlicher Bericht wird nach seiner Rückkehr erscheinen. 

Statusbericht März 2017

Heute möchte ich einen Rückblick über die Ereignisse auf der Baustelle in Siaya geben.

Der Dachstuhl wurde aufgestellt und mit Wellblechplatten eingedeckt. Parallel dazu wurden die Stützpfeiler für den Laubengang ebenfalls aus Lehm hergestellt.  Cellestine hat uns diese Fotos geschickt.

Cellestine arbeitet mittlerweile als Vollzeitkraft für M.O.C.C., unserem  Partnerverein. Sie steht in engem Kontakt mit uns in Deutschland, koordiniert die nächsten Bauschritte, organisiert das Einholen von Angeboten und hält die Baustelle zusammen. Weiterhin kontrolliert sie in Zusammenarbeit mit dem Sekretär Martin Baraza die Finanzen auf der Baustelle . 

Es fanden mehrere offizielle Termine auf der Baustelle statt. Die Behördenvertreter Minister of Education, Minister of Lands und der Governeur kamen um die Fertigstellung des ersten Abschnittes zu sehen.
Nach wie vor sind die Menschen sehr interssiert und begeistert. Alle bewundern, dass wir zum Bau lediglich den normalen Lehm verwendet haben und dass die Gebäude so stabil sind. Das Projekt ist im großen Umkreis im Gespräch, so dass auch Governeure aus anderen Gebieten die Baustelle besuchen. 

Cellestine hat den Antrag zum Betrieb der Schule eingereicht, der zurzeit noch bearbeitet wird. Eine Auflage ist, dass die Schule eingezäunt sein muss. So haben wir gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten eines Zaunes diskutiert. Holzpfähle wären die preiswerteste Lösung, scheiden jedoch aus, da sie sehr schnell von Termiten zerfressen werden würden. Die Termiten sind dort sehr aggressiv, das habe ich selber vor Ort erlebt.
Pfosten aus Stahlprofilen wären gut, werden jedoch immer wieder von Altmetallsammlern nachts abgesägt und an Schrotthändler verkauft.

Somit bleiben nur Pfosten aus Stahlbeton. Das ist die teuerste Lösung, aber auch die nachhaltigste. Um die Kosten möglichst gering zu halten, hat M.O.C.C. eine Form geliehen und die erforderlichen Baustoffe gekauft. Mit ein paar Arbeitern stellen wir die Pfosten selber her, sparen gegenüber den handelsüblichen Preisen und schaffen wieder Jobs für Arbeitslose. 

 

Übrigens haben wir herausgefunden, dass jeder Arbeiter weitere rund 10 Personen unterstützt. D.h., dass die Gehälter, die wir an unsere 30 Arbeiter gezahlt haben rund 300 Personen unterstützt haben! 

Im vergangenen Jahr haben wir die notwendige Kostenabrechnung für das BMZ erstellt und eingereicht. Hauptsächlich hat dies Susanne Koschewski, unsere
2. Vorsitzende, organiiert. Unterstützt wurde sie bei diesem sehr aufwändigen Verfahren von Martin Fischer, Karsten Bomberg und Heiko Wäsche. Ein großer Dank geht an alle Beteiligten, vor allem an Susanne.

Für die weitere Durchführung der Baustelle in Kenia suchen wir ständig Menschen, die zur Unterstützung nach Kenia reisen und sich dort etwas beteiligen.  Auch kurzzeitige Aufenthalte sind möglich. Die Kenianer freuen sich immer sehr wenn Besuch aus Deutschland kommt!

Kontakt und Infos unter: Kontakt

Frauen Power

Der heutige Beitrag ist den Frauen auf der Baustelle gewidmet.

Zunächst hatten sich nur Männer auf der Baustelle beworben. Manche blieben ein paar Tage, manche nur einen Tag. Aber kurze Zeit später gab es eine feste Mannschaft bestehend aus 13 Männern.
Die einzige Frau, die zwar nicht auf der Baustelle, sondern im Hintergrund  bei M.O.C.C.  tätig ist, heisst Cellestine.

Seit 3 Jahren arbeitet sie  ehrenamtlich für M.O.C.C. als Kassenwartin. Von Beruf ist sie Sozialarbeiterin. Zurzeit wird sie als Teilzeitkraft bezahlt.
Für die Baustelle organisiert sie die wöchentlichen Lohnzahlungen, die zunächst bar ausgezahlt wurden. Mittlerweile werden sie per M-Pesa, einem Bezahlsystem per Handy, geleistet.  Da in Kenia sehr viele Menschen kein Bankkonto haben, wird überall das Bezahlsystem „M-Pesa“ genutzt.

Damit kann man quasi alles bezahlen, sogar Waren bestellen. In M-Pesa Shops kann man Guthaben auf seine Handy – Nummer aufladen und über eine spezielle Funktion im Handy , verschicken. 

Jeden Samstag kommt Cellesine mit einer Frau, die einen M-Pesa Shop betreibt, um die Löhne zu verschicken.  Vorher werden noch die Beträge abgezogen, die jeder für Essen der vergangenen Woche bezahlen muss.                                            

 

 

 

 

 

Als der Arbeitsumfang zunahm und weitere Arbeiter benötigt wurden, wurden nur Frauen für den neuen Bereich des Siebens, eingestellt. Etwas am Rand der Baustelle fingen diese Arbeiten an. Männer und Frauen waren zunächst etwas scheu. 

 

 

Wenig später sollten dann die Putzarbeiten an dem kleinen Gebäude beginnen. Mehrere Arbeiter sagten, dass dies traditionell die Arbeit der Frauen sei. Also wurde gefragt, wer diese Arbeiten ausführen kann.

Es meldeten sich drei Frauen, die das Gebäude innen und aussen mit Lehmputz sehr sauber verputzten. Sie gestalteten auch die  Dekorationen der Fassade. 

Später versammelte der Vorarbeiter Michael Aput alle MitarbeiterInnen um sie nach ihren Fähigkeiten und Arbeitswünschen zu befragen. Es meldeten sich Frauen für die Schreinerei, Estrich legen und sogar für das Lehmstampfen oben auf der Schalung.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Stimmung auf der Baustelle durch die Integration der Frauen deutlich entspannter geworden ist und sich noch mehr ein Mannschafts- Gefühl eingestellt hat.
Das wird auch im Besonderen durch „Mama Chakula“ unterstützt, die alle mit gutem Essen versorgt. „Chakula“ heißt Essen auf Kiswahili. Häufig werden Menschen nach ihren Berufen gerufen, wie Fundi für Handwerker und Dereva für Fahrer. Oft weiß niemand den richtigen Namen. 

Sie kommt jeden Morgen schon um 8 Uhr, macht Feuer und kocht gemeinsam mit einer Helferin frisch und leckere Chapati, Bohnen, Ugali (Maisbrei), Sukuma wiki (Spinat ähnliches Gemüse).

Guter Fortschritt

Zunächst ein kurzer Rückblick, was in den letzten Tagen vor meiner Abreise geschah. Am 10.02. kam Karsten Bomberg aus seinem Urlaub von der Küste in Diani, 1.000 km entfernt und gefühlt wie 2.000, mit dem Bus nach Siaya um uns zu besuchen und viele Werkzeuge zu bringen. Höhepunkt ist ein Profi-Akkuschrauber. Aber auch die anderen Gerätschaften helfen sehr! Vielen Dank an Karsten  für den Transport.

 

Einfache Dinge wie Wasserwaagen sind hier kaum zu bekommen, und wenn, dann nur in Billig- China Ausführung, die nicht lange hält. Alle haben sich sehr gefreut.
Es wurde der Dachstuhl für das Lehrergebäude, das  übergangsweise als Lager benutzt wird, gerichtet. Traditionell ist es hier üblich, dass die Frauen die Wände verputzen. Das haben wir übernommen, nur mit der Veränderung der Lehmputzmischung. Normalerweise wird der Lehm mit Kuhdung vermischt. Das reicht aber bei weitem nicht aus und so entstehen immer sehr viele tiefe Risse. Nach mehreren Versuchen haben wir dann das richtige Mischungsverhältnis gefunden, so dass kaum Risse entstanden.

 

Es hatte sich herumgesprochen, dass Karsten gekommen war und so besuchte uns eine Delegation des Gouverneurs um Karsten zu begrüßen und ihren Dank für die Werkzeuge auszusprechen. 

Am Montag den  07.03. kamen rund 30 (!) BewerberInnen. Es hat sich ziemlich rumgesprochen, dass hier zuverlässig Samstags bezahlt wird und auch Frauen eingestellt werden.

Während meiner Abwesenheit hat sich viel verändert. Das Lehrergebäude ist im Wesentlichen fertig gestellt. Das Dach ist gedeckt die Fenster eingebaut und verglast. Das war eine Überraschung, denn es war noch nicht klar, wie die Verglasung ausführen werden könnte. Die vorliegenden Angebote waren alle zu hoch. Jetzt stellte sich heraus, dass Raymond derTischler, der so schon ein großer Gewinn ist, auch verglasen kann. So fallen nur die Material- und Lohnkosten an. Preiswerter geht es nicht! So können später die gesamten Schulfenster verglast werden.

Auch für die Toiletten und Schultüren hatte ich bereits Angebote eingeholt, aber auch die werden wir selber bauen. Natürlich kann Raymond das nicht alles alleine machen. Es kristallisiert sich immer weiter heraus, wer welche Arbeiten favorisiert und wird dann entsprechend eingesetzt. Otieno, der am Anfang so einige Probleme hatte und ein paar Mal ausfiel, hat seine Holzbau- Fähigkeiten entdeckt und arbeitet seit dem zügig und zuverlässig, und hat seit dem noch keinen Tag gefehlt. So gibt es noch einige andere, die sich positiv entwickelt haben du Raymond eine große Hilfe sind.

Der Putz des Lehrerzimmers ist fertig gestellt. Hier gibt es noch ein paar Stellen, die wir nachbessern müssen. Das liegt daran, dass zunächst die Mischung des Putzes noch nicht ganz richtig war.

Den Unterschied sieht man ganz klar bei den Toiletten. Hier ist der Putz ebenfalls fertig, aber viel besser.

Beim Schulgebäude ist die erste Reihe Stampflehm fertig. Wir haben weitere Wandanker in Dar-es- Salam bestellt, aber wieder nur einen Teil bekommen. Diese deutsche Firme ist sehr unzuverlässig, aber wir haben keine Alternative.

Michael hat in Nairobi die gesamten großen Baustoffhändler aufgesucht, aber keine Wandanker gefunden. Unseres Wissens ist die Firma in Dar-es-Salam (Tansania) die einzige in Ostafrika. In dieser Woche sollen die fehlenden Teile geliefert werden, so dass wir erneut unsere Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen können.

Nachdem uns mehrere Köchinnen, die Mittags Essen gebracht haben, öfter versetz haben, gibt es jetzt auch zwei Köchinnen, die auf der Baustelle kochen und uns versorgen. Sie kommen morgens auf die Baustelle und kochen hier.

Beerdigung – Krankheit – Urlaub

01.02. – 14.02.2016

Nachdem es mich wie einige Andere letzte Woche mit Thyphus erwischt hat und den Großteil der vergangenen Woche im Bett zugebracht habe, konnte ich heute wieder eingeschränkt auf die Baustelle.
In der Woche ist eine Menge aufgelaufen und nach der Woche war ich noch etwas schlapp. Daher schreibe ich jetzt hier eine Zusammenfassung.

Zum Wochenbeginn haben sich fast 20 Leute beworben, davon mehrheitlich Frauen. Da wir in Kürze große Mengen Erde benötigen, haben wir 10 Frauen eingestellt, die das Sieben durchführen.

Während meiner Abwesenheit hat sich einiges getan: Bei dem kleinen Gebäude wurden weiter Lehmabschnitte gestampft und in einem Teilbereich die fertige Höhe erreicht. Die Schalung wurde weiter ausgebaut, um möglichst wenige Anschlüsse zu bekommen. Später kann dann diese Schalung vermietet werden. 

 

Kurz vor meiner Krankheit gab es eine Beerdigung, an der ich teilgenommen habe. Es handelt sich um meinen alten Freund Rufinus, den ich seit meiner ersten Reise 1987 nach Siaya kannte und sehr schöne Erinnerungen habe.

 Mit rund 600 Gästen war das eine durchschnittliche Größe.

Auf der Baustelle fertigen wir Gerätschaften wie Leitern selber, da industriell gefertigte sehr teuer sind. 

 

Da wir noch „Trockenzeit“ haben und ab März normalerweise die Regenzeit einsetzt, haben wir erneut begonnen, Lehmsteine zu produzieren, die wie lagern und später für das Waisenhaus benötigen.

 Video Lehmsteine herstellen

 

Das kleine Gebäude ist fertig und gleich geht es mit dem Dachstuhl  weiter.

Die Tischler haben mein Outdoor – Büro übernommen und fertigen Fenster- und Türrahmen vor, die in die Schalung eingesetzt werden und dort verbleiben. 

Am Mittwoch kam Karsten, Mitglied bei uns und bei den Ingenieuren ohne Grenzen , um sich die Baustelle und vor allem die Trenntoiletten anzusehen. Außerdem hat er eine Menge Werkzeug mitgebracht. Vielen Dank dafür. Vor allem der Akkuschrauber macht schwer Eindruck und wird gerade dringend benötigt.

Am Donnerstag abend sind wir dann nach Kisumu, um am Freitag morgen früh nach Mombasa zu fliegen. Dort am Flughafen werde ich meine Freundin treffen, um gemeinsam Urlaub an der Küste zu machen.
Ich melde mich jetzt für 3 Wochen ab. Die Jungs auf der Baustelle sind gut vorbereitet und eingespielt. Ich habe ein Bauleitungsteam, bestehend aus Ouma als Maurer, Anthony als Dipl.-Ing. und Michael Aput als Vorarbeiter, installiert. Die drei sind sehr verantwortungsbewust und ergänzen sich mit Ihren unterschiedlichen Berufen gut.

Tutaonana!

Der Regen ist zurück!

18.01. – 31.01.2016
Der Regen ist zurück!

Nachdem wir ein paar Wochen mit sehr wenig Regen hatten, hat sich „El Niño“, wie hier der Dauerregen genannt wird, mit einem heftigen Gewitter und viel Regen zurück gemeldet. So mussten wir die Wände erst etwas trocknen lassen, bis wir weiter arbeiten konnten. Bei den Toiletten haben wir die letzten Pfeiler begonnen und das Holz für die Dachkonstruktion vorbereitet. Morgen wollen wir den Dachstuhl richten und die Dacheindeckung fertig stellen.

  

Dienstag. Morgens um 6 Uhr fing es wieder an zu regnen. Zunächst war es ein leichter Regen, der sich aber stetig verstärkte. Wir konnten uns nur in die Wellblechhütte zurück ziehen und warten. 3 Stunden dauerte es, bis der Regen aufhörte. Alles war so nass, dass wir keine Wände stampfen konnten. Um nicht mehr so abhängig vom Wetter zu sein, haben wir das Schutzdach gebaut, unter dem wir geschützt vor Sonne und Regen den Lehm sieben, mischen und zwischenlagern werden. Die Zeit haben wir genutzt um Sonderschalung für die aussteifenden Wandpfeiler zu bauen.

 

Am Mittwoch Vormittag war Mitgliederversammlung von M.O.C.C. auf der Baustelle angesagt. Zunächst wurden die Mitglieder über den aktuellen Baustatus informiert. Die Stampflehmtechnik wird sehr positiv aufgenommen. Fast jeden Tag kommen Besucher, zum Teil auch aus weiter entfernten Ortschaften, um sich den Stampflehm anzusehen.

Der Haupttagungspunkt war eine Satzungsänderung um den Weg für eine zollfreie Einfuhr von Baugerätschaften und anderen Dingen zu ebnen. Nach kurzer Diskussion wurde die Änderung einstimmig beschlossen.

Das Holz wurde bei dem Händler in Kisumu angeliefert. Zum Abholen benötigten wir einen Lkw, den wir über den Baustoffhändler Josef günstiger als üblich einen mieten konnten, und das von Siaya aus. So fuhren wir mit dem Lkw nach Kisumu und konnten auch die Fahrtkosten für das Matatu sparen. Um den Lkw optimal auszunutzen, beschlossen wir, das gesamte Wellblech ebenfalls in Kisumu zu kaufen. Baustoffe sind in Kisumu einiges günstiger. Das Problem ist immer der Transport. Mit einem Baustoffhändler konnten wir einen Preis aushandeln, der pro Stück 250 Ksh unter dem Siaya- Preis liegt und uns somit umgerechnet 1.250 € einspart. Als der Lkw dann mit dem Holz beladen war, mussten wir feststellen, dass das Volumen des Fahrzeugs bereits erschöpft war. Das Gewicht war nicht das Problem. Über unseren Baustoffhändler Josef in Siaya konnten wir organisieren, dass das Wellblech zu einer Lieferung, die er in den nächsten Tagen erhält, kostenlos beigeladen wird.

Auf dem Rückweg hatte dann der Lkw eine Reifenpanne. Ein Spezialist, der schlauchlose Reifen reparieren kann war relativ schnell gefunden. Die Einigung war auch einfach, aber dann war er plötzlich verschwunden. Bis er wieder zurück kam dauerte es eine Weile und uns blieb nichts anderes übrig als zu warten. Als wir dann endlich die Baustelle erreicht hatten, war es nach 18 Uhr und keiner unserer Arbeiter zum Ablade mehr vor Ort. Also mussten wir erst noch Tagelöhner zum Abladen organisieren. Da dieser Mehraufwand nicht von uns verursacht wurde, war der Fahrer sogar bereit, die Kosten für das Abladen zu übernehmen.

Hier ein 180°- Schwenk über das Grundstück, der zwar schon 14 Tage alt ist, aber einen schönen Überblick verschafft:

Video Grundstückübersicht

Auf der Suche nach Bambus

11. – 17.01.2016

Die Ramm- und Umbauzeiten werden langsam von Abschnitt zu Abschnitt besser. Ein relativ großer Wandabschnitt war heute in vier Stunden fertig gestellt. Die Oberflächen sehen recht gut aus. Die Fugen der Schalungsbretter zeichnen sich zwar ab, aber dies ist der lokal gebauten Schalung geschuldet.

Colins sagte nach dem Ausschalen: „ We are proud of what we are doing!“ und alle anderen strahlten.

Donnerstag Nachmittag fuhren Michael und ich rund 25 km über zum Teil schlechte Erdpiste nach Gem in den Busch um jemanden zu besuchen, der Bambus anbaut. Es handelt sich um einzige Plantage mit südostasiatischem Bambus in Kenia. 18 verschiedene Arten und Größen werden hier angepflanzt. Wir sind auf der Suche nach Alternativen zu normalem Holz für die Dachstühle. Holz ist sehr teuer. Auch Stahlrohre sind nicht wesentlich preiswerter. Bambus hat die guten Eigenschaften, bei geringem Eigengewicht sehr tragfähig zu sein. Die Problematik liegt bei kraftschlüssigen Verbindungen, da die Stämme hohl sind. Es gibt low-tech Lösungen, die wir aber erst ausprobieren müssen. Bambus ist  deutlich preiswerter, allerdings müssen Tragwerke als sogenannte Zangenkonstruktionen ausgeführt und entsprechend verbunden werden.

Das bedeutet, dass mehrere Profile parallel verlaufen und mehr Material notwendig ist. Das werden wir jetzt analysieren und dann entscheiden.

Im Blog hat eine Bauingenieurin ihre Anerkennung über unsere Arbeit hinterlassen. Dieses Lob habe ich heute Morgen an die Mitarbeiter weitergegeben. Sie haben sich sehr gefreut und sich bedankt.

Für die Trenntoiletten habe ich heute Holz für den Dachstuhl, Wellblech, Regenrinnen und die entsprechenden Kleinteile gekauft. Das Aussuchen des Holzes war langwierig und teuer. Langwierig, weil man die Kanthölzer sehr genau aussuchen muss, weil es viele Beschädigungen und verzogene Profile gibt. Beim Warten ist mir wieder einmal mehr aufgefallen, wie hier gearbeitet wird. Viele Menschen arbeiten 7 Tage pro Woche, von 9 bis 21 Uhr. Es wird wirklich viel gearbeitet, aber es ist immer auch Zeit für ein Schwätzchen und für Lachen. Auch ich als „Mzungu“ werde immer wieder mit einbezogen. Und das macht für mich den entscheidenden Unterschied: Es wird viel gearbeitet, aber es gibt wenig Stress. Den Anderen wahrzunehmen und zu grüßen ist hier elementar wichtig. So kommt man fast überall sehr leicht auch mit Fremden ins Gespräch.

Für diagonale Abstützung haben wir jetzt Stahlrohre, die gelenkig an den  Holzpfosten befestigt sind. Dies erleichtert das Ausrichten und den Umbau der Schalung. Die Winkel sind aus alten Winkelprofilen gesägt, die wir noch hatten. Die Schrauben habe ich bei einem Schrotthändler in Jua Kali organisiert. Das war großes Glück, denn solche Schrauben sind in Siaya kaum erhältlich. Und preiswerter als Neue waren sie auch. Etwas rustikal, aber es funktioniert.

Die letzten Wochen waren überwiegend ohne Regen. Es wurde immer heisser, so dass jeder dachte, dass dieser lange Regen endlich vorbei ist. Aber heute hat er sich zurück gemelde, so dass wir die Gebäude abdecken und die Arbeit unterbrechen mussten. Die Zeit von November bis Februar ist normalerweise die Trockenzeit.

Daher haben wir ein temporäres Schutzdach gebaut, um vor Regen und Sonne geschützt die Erde sieben und mischen zu können. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird es ab und an anderer Stelle als Lager und Abstellraum wieder aufgebaut.

Stampflehm und Lehmsteine

04. – 10.01.2016

Die erste Aktion war heute die Schalung zu entfernen. Wieder waren alle sehr gespannt. Die neue Wand sieht gut aus. Lediglich an ein paar kleinen Stellen war die Mischung etwas zu trocken. Das sind aber nur kleine Stellen, die ausgebessert werden können.

 

Ich bin damit beschäftigt, defekte Gerätschaften reparieren zu lassen und Materialien zu besorgen. So habe ich heute eine Gießkanne gekauft. Eigentlich nichts besonders. Industriell produzierte habe ich noch nicht gesehen. Es gibt hier ein Gewerbegebiet „Jua kali“. Das bedeutet „Heiße Sonne“, oder auch „Scharfe Sonne“, weil hier die Kleinhandwerker unter der heißen Sonne arbeiten. Ein herbes Viertel. Mittlerweile bin ich da gut bekannt und irgendwie mag ich dieses Viertel. Hier wird nämlich mit einer unglaublichen Kreativität alles Mögliche recycelt. Die besagte Gießkanne z.B. wurde aus alten Blechen gebaut. Das gefällt mir hier: Nichts wird weggeworfen, sondern aus dem Gesammelten entstehen neue Dinge. Das ist ökologisch und verschafft vor allem den Handwerkern Arbeit. Außerdem ist es oft preiswerter.

Cool, ne?

Diese Schüssel „Carrey“ wurde ebenfalls recycled

Das ist mein Bauleitungsbüro

Immer wieder kommen Leute auf die Baustelle und wollen die Lehmwand sehen. Michael meint, dass das hier eine Menge verändern wird , wenn sich das erstmal rumgesprochen hat. Dann würde es auch nicht mehr lange dauern, bis Zeitungsreporter und Fernsehteams kommen.

Nach der ersten Wand haben wir entschieden, dass wir jetzt zuerst die Schalung weiter umbauen um später zwei „Sets“ zu haben. Also wieder getüftel. Heute habe ich den halben Tag mit gearbeitet. Und zwar haben wir zwei Schalungsrahmen so umgebaut, dass wir nachher Hölzer in der Wand haben, um die Türen daran festzuschrauben.

Auf Basis der Lehmmörteltests haben wir heute Mischung für Lehmmörtel angesetzt, um morgen mit dem Lehmsteinmauerwerk beginnen zu können.

Mittwoch. Eine Fahrt nach Kisumu  (ca. 70 km und die 3. größte Stadt)  ist heute erforderlich, weil morgen mein Visum abläuft. Das Touristenvisum, dass man bei der Einreise bekommt ist maximal 3 Monate gültig. Es kann einmal um weitere 3 Monate verlängert werden. Das dauert den ganzen Tag und passt mir gar nicht ins Konzept, muss aber sein. Außerdem können wir bei der Gelegenheit ein paar Dinge besorgen, die in Siaya nicht erhältlich sind.

Als Erstes zum Immigration Office. Dort erwartete uns wieder der gleiche unfreundliche und unmotivierte Beamte wie beim letzten Mal. Auf Grund der Al Shabab Anschläge werden die Visa nicht mehr so leicht verlängert wie früher. Also haben wir uns eine Geschichte für den Beamten überlegt. Eine von Michael’s Töchtern ist in Österreich verheiratet. Michael erzählte ihm, dass ich aus der Familie des Schwiegersohns stamme und ihn hier besuche. Der Beamte war zunächst ziemlich abweisend. Michael hat ihm dann flüchtig 1.000 KSh zugesteckt und plötzlich wurde er etwas gesprächiger. Er füllte das DIN A3 Formblatt aus, nahm meine Abdrücke von allen Fingern und wurde zwischendurch etwas ungehalten, als ich nicht verstand, wie er die Fingerabdrücke nehmen wollte. Was ihn dann völlig konfus machte war die Tatsache, dass er nicht verstand, ob ich nun Deutsch, oder Dutch sei. Mehrfach mussten wir ihm erklären, dass German = Deutsch ist und Dutch = Holland, und ein anderer Staat ist. zwischendurch wurde er dann leicht ungehalten. Ich erhielt den vorläufigen Ausweis (Alien Card), der richtige Ausweis dauert 2 Monate. Zu guter Letzt hat er dann vergessen die offizielle Bearbeitungsgebühr von 2.000 KSh zu kassieren. Ich hab nichts gesagt. Den Stempel im Reisepass und den vorläufigen Pass habe ich.

Ich bin also nach wie vor illegal hier. Da ich nur ein Touristenvisum habe, darf ich nicht arbeiten. Daher waren wir vor 3 Monaten schon mal hier, um das Touristenvisum in ein Arbeitsvisum für gemeinnützige Organisationen zu ändern. Es gibt da ein spezielles, aber dieser Beamte meinte nur, dass wir ein normales Arbeitsvisum beantragen sollen. Das kostet aber pro Monat umgerechnet 150 € !!! Daher habe ich mich entschieden lieber illegal zu arbeiten, als einen so hohen Betrag zu zahlen. Da haben wir auch kein Budget für. Michael sagte, dass mich hier auf dem Land niemand stören wird.

Anschließend haben wir dann das gesamte Holz für die Fenster- und Türrahmen bestellt. Es ist in Kisumu preiswerter als in Siaya und in dieser Qualität nicht erhältlich.

Die Jungs haben gestern mit dem Lehmsteinmauerwerk mit Lehmmörtel begonnen. Das war das erste Mal, dass sie auf diese Art gemauert haben. Und sie sind begeistert. Es dauert zwar noch etwas länger, aber das Mauerwerk sieht gut aus.

Da wir zwei Sets von Schalung und somit zwei Arbeitgruppen haben werden, benötigen wir noch weitere Rammer und andere Diagonale Streben um die Schalung zu halten. Ich habe mir ein System aus einem leicht verfügbaren Standard- Stahlrohr überlegt, das flexibel und einfach ist.
Ich hatte einen Termin mit einem Schlosser. Er war pünktlich in seinem Workshop. Also System beschreiben und dann – ganz wichtig – den Preis aushandeln. Das ist immer ein „Spiel“ das sein muss. Die Preise sind immer erstmal zu hoch und manche meinen, obwohl sie mich mittlerweise kennen, mir einen Mzungu- Preis (= extra hoch) zu machen. Aber das kenne ich ja schon und habe das Spiel mitgespielt. Geeinigt haben wir uns auf die Hälfte des ersten angebotenen Preises.

Dann weiter zu meinem Lieblingsviertel Jua Kali. Diesmal brauchte ich nicht suchen, sondern wusste, bei welchem Schrotthändler ich die Stahlprofile für die Rammer bekomme. Auch wo das wahrscheinlich einzige verzinkte Rohr in Siaya zu bekommen war, wusste ich vom letzten Mal. Gehandelt, gekauft und Träger beauftragt das Rohr zum Schrotthändler zu bringen,  ablängen und an die Stahlprofile anschweißen. Transportiert habe ich die Teile dann in zwei Fuhren auf dem Mopped. Real Kenyan style.

Samstag ist Zahltag. Das Geld liegt schon in kleinen Scheinen bereit. Vormittag musste ich mal einen intensiven Bürotag einlegen. Um ungestört arbeiten zu können, blieb ich nur kurz auf der Baustelle und fuhr dann nach Hause zurück. Mittlerweile nimmt das hier ziemliche Ausmaße mit der Arbeit an, so dass ich ständig eingespannt bin, um den Blog aktuell zu halten, die Rechnungen einzugeben, Angebote einzuholen, die Baustelle unter Kontrolle halten und immer 14 Tage im Voraus denken muss.

Heute konnte ich die letzten Rammer abholen. Die diagonalen Schalungsstützen sind auch fast fertig.

Unsere selbstgeschnitzten Rammer

Also zurück zur Baustelle mit dem dicken Bündel Geld und die ArbeiterInnen bezahlt. Einer der beiden Frauen musste ich heute leider kündigen, weil sie trotz mehrfacher Ermahnungen viel herum gestanden und gequatscht, langsam gearbeitet und eine sehr negative Energie verbreitet hat. Die negative Energie ging gar nicht gegen das Projekt, sondern die war einfach grundsätzlich negativ.

Auch mit zwei von drei Fundis musste ich heute Morgen ein ernstes Wort reden. Einer kommt oft zu spät und überzieht die Mittagspause. Das habe ich ihm heute vom Lohn abgezogen. Der Andere ruht sich gerne im Schatten aus und denkt nicht selbständig mit. Beides können wir nicht dulden, denn sie haben Vorbild- und Leitungsfunktionen.